Dienstag, 18. März 2008

Eine Landkarte der Armut

"Armut ist eine Waffe" ist sich Şerif Camcı, Generalsekretär eines Zusammenschlusses von 43 Vereinen aus Diyarbakır sicher. Deswegen hat er mit seinen MitstreiterInnen eine Landkarte erstellt, um das Problem in der Stadt sichtbar zu machen.

Die Befragung von 37.000 Menschen in den vier ärmsten Stadtteilen der Stadt ergab:
  • das Durchschnittseinkommen in diesen Vierteln liegt bei 240 $ im Jahr, ein siebtel des türkischen Existenzminimums,
  • 28.000 Familien sind auf Nothilfe in der Lebensmittelversorgung angewiesen, das sind ca. 200.000 Personen,
  • 7,2 % der schulpflichtigen Kinder arbeiten,
  • die Situation ist so ernst, dass einige Familien Säuglinge mit dem Wasser abgekochter Kichererbsen ernähren, weil es sogar an Grundnahrungsmitteln fehlt.
Die spezifische kurdische Situation wird deutlich, wenn mensch betrachtet, dass
  • die ärmsten Stadtteile überwiegend von Vertriebenen bewohnt werden und
  • 43 von ihnen unter traumaähnlichen Schmerzstörungen leiden, die ebenfalls eine Kriegsfolge darstellen.
Armut nimmt den Menschen jegliche Möglichkeit sich politisch zu engagieren und vergrößert ihre Abhängigkeit. "Armut als Waffe" ist eine Strategie, meint Camcı, um Menschen mit einer kurdischen Identität daran zu hindern für ihre Rechte zu kämpfen.

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